Naturreligion

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Summer Solstice Sunrise over Stonehenge 2005.jpg

Definition

Als Naturreligiös werden Anhänger einer archaisch ausgerichteten, nicht auf heiligen Büchern basierenden, schriftlosen Religion angesehen, die z.b. wie das Neokelten- oder Neodruidentum den Heno-, Pan- oder Polytheismus aufgrund der keltischen Überlieferungen und dem Glauben der alten, antiken Kelten praktiziert.

Fantasie und Realität

Leider übersehen dabei viele, das auch die heutigen Grundlagen dieser Religion mangels Überlieferung und Kenntnissen darüber (diese wurde vermutlich nur mündlich überliefert und gilt als ausgestorben) durchaus auf viel späteren christlichen Büchern (keltischen Psaltern, Historien, Schilderungen, Gebetssammlungen, Liturgien, der Bibel u.v.m.) und romantisch-verklärten Phantasien keltischer oder fränkischer Bischöfe bzw. Geistlicher beruhen oder aus Erzählungen entlehnt sind.

Rekonstruktion

Eine Rekonstruktion des Glaubens und Kultes der Kelten ist mangels schriftlicher Überlieferung und Konsistenz der Gruppen zu weiten Teilen unmöglich. Es gab laut Wissenschaft auch zu viele kleine Einzelstämme und nicht etwa ein geschlossenes Volk der Kelten, so sind die meisten "Neokelten" Anhänger synkretischer neuer Religionen, Weltanschauungen oder Mitglieder neureligiöser, visionärer Kulte, die sich oft, wenn nicht immer an Romanen und romantischen Vorstellungen orientieren.

Hochreligionen

Fast alle Gruppen besitzen ein oder mehrere selbstverfasste Bücher mit detailierten Gebeten und Anweisungen (meist christlicher Herkunft) und sind daher ohnehin keine reinen Naturreligionen mehr, ehe eine Art romantisch-christlicher Synkretismus. Viele beziehen daher auch als Quelle umgeschriebene Gebete z.B. aus dem Carmina Gadelica, einer Sammlung mittelalterlicher (christlicher) Gebete oder jene der Culdeer, die noch vorhanden sind. Was wenige wissen: Die Buchreligionen basieren stets auf ehemaligen Naturreligionen, sie sind also "Weiterentwicklungen".

"keltische" Symbole

Ein kurzes Wort noch zu den angeblich "heidnischen" Symbolen: Wie vormals beschrieben ist das irische Hochkreuz mit Rad ein untrügliches Zeichen, aber auch Knotenmuster generell. Sie sind meist in Kreuzform ausgeführt. So ist z.b. der kreisrunde, vierfache Knoten von Meigle aus Perthshire auch in der naturreligiösen Szene bekannt und ebenso wie viele andere, u.a. auch Triqueta und Triskelle, sehr beliebt, welche auch in der kirchlichen Kunst sich in Kirchenfenstern, auf Simsen und Säulen, Büchern oder Kaseln niederschlugen. Diese haben auch einen festen Platz im keltischen Christentum, ebenso wie ein weiteres altes christliches Symbol des Guten, der Drudenfuß oder Pentagramm/Pentakel. Dieses wurde mit seinen Fünf Spitzen ein Zeichen der 5 Wunden Christi und ist in vielen alten Kirchen und auf Torbögen auch in umgekehrter Form, d.h. mit der Spitze nach unten als bannendes Schutzzeichen (siehe Wikipedia unter Pentagramm) zu sehen. Genauso wenig wie das umgekehrte Kreuz (Petruskreuz) dem Ursprung nach „böse“ ist, ist es dieses Zeichen, was allerdings bei einigen Sondergemeinschaften heutzutage dafür (in Unkenntnis der Sachlage) dafür als „heidnisch“ herhalten muss. Viele wissen also nicht, das diese Symbole nicht etwa von der Kirche "annektiert" wurden, sondern schon immer dort in Gebauch waren.

Übernahme ins Christentum

Über die Naturreligion selbst ist bei den Kelten mangels schriftlicher Überlieferung wenig bekannt: Laut Dritten wie Griechen verehrten die Kelten die Eiche und die Mistel die auf ihnen wuchs, Waldlichtungen, Quellen, Flüsse, Berge und Höhlen. Sie verehrten wohl -den damaligen antiken Völkern wie Römern und den Griechen sehr ähnlich- Sonnen- und Naturgottheiten (Donner, Sonne, Jahreszeiten etc.). Viele dieser Gottheiten wurden offenbar auch als mythische Gestalten und Heilige vom Christentum ohne Probleme assimiliert, da sie sich sehr gut integrieren liessen z.B. wurde die Trinität in einer Schöpfung als einer der wichtigsten Grundfeiler bereits von den Kelten kultisch verehrt (es wurden öfters 3 Gottheiten als eine Einheit für z.B. Irland genannt), von daher war es für Kelten wohl nur ein kleiner Schritt, diese Religion anzuerkennen.

Sagen-gestalten

Sagen- und mytholische Gestalten (zb. hl. Mabon zu Mabon ap Modron als göttliches Kind) wurden von beiden Seiten, von den ersten Christen und heutigen Naturreligiösen ohne Gewissensbisse benutzt. Keltisch-gallische Gottheiten repräsentierten daher entweder traditionelle überlieferte neopagane Naturkräfte, wie sie im frühen Henotheismus und als Aberglauibe in den meist abgelegenen Gegenden üblich waren oder flossen als Eigenschaften von Heiligen bzw. unheilvolle Kräfte und dämonische Gegner ein oder wurden durch sie beherrscht, ggf. auch wurden sie als Gesichter (eines) Gottes dargestellt oder in einigen modernen Fällen einer männlich / weiblichen Dualität (wie sie z.B. die Sonne und Erde darstellt) zugeordnet. Dies wird von Seiten der Naturreligion meist als Vorteil und Gleichberechtigung gegenüber dem Christentum ("Gott ist dort männlich") herausgestellt, dabei aber mißachtend, das Gott ein Neutrum ist und somit als Beides (nach aramäischem Gebet und Linguistik), nämlich als Vater und Mutter gleichermaßen anzusehen ist. In der heutigen Zeit und in unserer modernen Welt ist die Rückkehr zu einem vorchristlichen Weltbild eher ein Rückschritt, denn es hieße Sinnbildlich auf den Kochherd zu verzichten, um das Essen über dem Lagerfeuer zu garen: Es mag romatisch sein, aber auf Dauer ist es recht unpraktisch.

Schrifttum

Zu den "sagenhaften" Geheimschriften dieser mystischen Bücher ist zu sagen: Auch in frühchristlichen keltischen Werken wie dem Buch der Eroberungen Irlands und anderen frühchristlichen Werken wird aus diesen Werken gerne immer wieder das "urkeltische" Ogham (eine Runenschrift) wie nebenstehend nebst der Interpretation eines Baumalfabets und die keltischen Hochkreuze (auf denen diese auch stehen) bezogen. Es ist überflüssig zu erwähnen, das diese in christlicher Zeit entstanden, ebenso wie ein großer Teil der keltischen Knoten und Verzierungen, wie man an der nebenstehenden Buchseite recht gut erkennen kann. Die Druiden, die ja Teil des Keltenvolkes waren, enthielten sich entweder der Schrift (angeblich Weitergabe "von Mund zu Ohr") oder benutzten vermutlich für Notizen das antike Römisch bzw. Griechisch. Seltene Funde wie z.B. der Colignykalender, Fluchtäfelchen und Gedenksteine aus römischer Zeit weisen römische Inschriften mit gallisch-/keltischen Namen oder Bezeichnungen auf, deren Bedeutung heute noch zum Teil unklar ist.

Assimilation

Rechnet man nun all jene Fakten zusammen, trifft es nicht zu, das der christliche Glaube in übler Absicht den ehemaligen Glauben oder gar die Naturreligion assimilierte, denn es scheint absolut logisch und unstrittig, das diese bei Übernahme zumindest sich schon in stetigem Verfall befand. Es ist nach unseren bisherigen Erkenntnissen und Forschungen vielmehr so, das die traditionellen Grundlagen in den christlichen Glauben einflossen, ja ihn sehr positiv befruchteten und erst zum Durchbruch in Europa verhalfen. Wir hoffen sehr, das ihnen dieser Kurzüberblick neue Perspektiven eröffnet und Missverständnisse beseitigen mag: Die keltische Kirche sieht sich zu 100% in christlicher, iroschottischer Tradition und sieht sich durchaus nicht als Gegner gegenüber anderen, die sich mit ihr aus Unkenntnis oder Mißinterpretation heraus die gleichen Traditionen, Bezeichnungen teilen und sich als "neue" Religion sehen. Wir stehen allerdings zu 100% hinter der katholischen Kirche und halten die Esoterik für uns selbst als nicht annehmbar .

siehe auch

keltisches Christentum